Bianca
 
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Hallo, ich bin Bianca und möchte Euch gern über meine Erfahrungen berichten.

Es fing an, als ich 20 Jahre war:

Als meine Adoptivmutter und ich die letzten Tage am Strand in Spanien genossen hatten, kam die Frage von meiner Mutter,
ob ich denn wüsste, wie man sonst noch Kinder bekommen könnte ohne sie geboren zu haben. Die Frage hat mich keineswegs
irritiert. Natürlich sind mir einige Sachen in den Kopf geschossen, allerdings das Wort ADOPTION nicht.
Die nächste Frage war dann, ob ich mir vorstellen könnte noch Geschwister zu haben. Diese Frage irritierte mich dann doch,
weil ich ohne Geschwister, ich wollte schon immer Geschwister haben, groß geworden bin.
Ab diesen Zeitpunkt habe ich wohl einen Filmriss, denn ich kann mich nicht daran erinnern, das meine Mutter zu mir sagte,
ich sei adoptiert. Ich habe nur Unterlagen von meiner Adoption bekommen. Also am Strand mit notariellen und beurkundeten
Unterlagen saß ich dann da. Ich habe mich wahnsinnig darüber gefreut, das ich einen Vater und noch einige Geschwister habe.
Das war meine Reaktion. Über glücklich warf ich mich meiner Adoptivmutter in die Arme. Sie war allerdings der Meinung,
das ich sie jetzt fix und fertig mache, völlig sauer abhaue und und und (Wo sollte ich denn hin abhauen?) Wieso sollte ich
denn meine Mutter, die mich 20 Jahre lang erzog, sauer sein? Ich hatte keinen Vater und auch keine Geschwister, also könnte
man annehmen, dass mich das riesig gefreut hat.

Als wir dann wieder in Deutschland in Berlin zu hause waren, habe ich mich
gleich an sämtliche Ämter gewandt. Es kam zu einem Termin beim Bezirksamt. Dort bin ich hin und konnte mehr oder weniger was
über mich in Erfahrungen bringen. Was und wie und warum überhaupt, das weis ich nicht. Komisch, entweder Filmriss und einfach
verdrängt. Auf jeden Fall habe ich die Adresse von meinem Vater *unterm Tisch* bekommen. Bei meinem Vater habe ich dann
kurze Zeit angerufen. Erst mal hören wer ran geht und dann auflegen. Das war ein paar mal. Bis ich dann wirklich nachfragte,
ob er denn Detlef Heise ist und den Namen Bianka Nicole Kühnemann kennt. War kurze Zeit Ruhe dann kam von ihm ein Ja.
Es kam zum Treffen. Wir haben ca. ein Jahr Kontakt gehabt, mal tel. und mal Ausflüge gemacht.
Nur kam ich für kurze Zeit ins Krankenhaus und konnte mich nicht bei ihm melden. Als ich ein Tag nach meiner Entlassung
zuhause ans Telefon ging, war mein Vater sauer auf mich. Er war der Ansicht, dass ich am *Vatertag* ihm hätte gratulieren sollen
Ich habe ihm 20 Jahre nicht zum sogenannten Vatertag gratuliert, wieso sollte ich es jetzt tun?
Verrückt so was. Na wenn er meint. Seitdem haben wir keinen Kontakt mehr.

Also habe ich beschlossen, Kontakt zu meinem leiblichen Bruder aufzunehmen. Da musste ich aber nicht über das Bezirksamt gehen,
sondern über die Adoptionsstelle. HHmm, ich Bezirksamt Bruder Adoptionsstelle? Komisch.
Mein Bruder wurde mit 6 Jahren adoptiert und hat drei mal das Heim gewechselt. Mehr wusste ich bisher nicht.
Das Amt hat die Adoptiveltern angeschrieben. Er möchte keinen Kontakt wurde mir mitgeteilt.
Wer möchte keinen Kontakt, mein Bruder oder die Adoptiveltern?

Also habe ich beschlossen es sein zu lassen.
Meine Adoptivmutter hat mir Geschichten über meine leibliche Mutter erzählt, wo
jedes Kind sagt, wie gut dass Du mich adoptiert hast.

Als mein Sohn, jetzt drei Jahre alt, zu Welt kam habe ich beschlossen das ganze noch mal in Angriff zu nehmen.
Meinen Bruder will ich unbedingt kennen lernen. Rief bei der Adoptionsvermittlung an. Gab ein paar Daten durch und schwup von
meinem Bruder sind die Akten gefunden worden. Klar, von mir nicht. Weil, Bezirksamt genau. Adoption ist also nicht gleich
Adoption. Das Bezirksamt ist nicht in der Lage meine Akte zu finden. Wegen mehrfachen Umzügen sind einige Akten dreckig geworden
und liegen unsortiert in Containern rum. Natürlich wagt sich jetzt kein Beamter an die Unterlagen ran, könnte was mit Arbeit
zu tun haben. Warum werden denn die Akten nicht den Adoptivkindern überlassen, die gehen wesentlich ordentlicher damit um.
Datenschutz. Immer wieder dieser Datenschutz. Ich kann das Wort DATENSCHUTZ nicht mehr hören. Wenn es hier um mich geht,
ich kenne ja nun mal meine Daten, brauche ich keinen Datenschutz. Für den einen ist er vielleicht ganz sinnvoll aber für
die anderen? Ich stoße also mehr oder weniger immer wieder darauf.

Die Adoptionsbehörde hat jetzt erst mal einen Antrag beim Einwohnermeldeamt gestartet, um meinen Bruder ausfindig zu machen.
Es könnte bis zu drei Monaten dauern. (Der Knaller kommt noch)
Da ich von der Adop. vermittlung-behörde-amt-stelle, wie man es will, erfahren habe, dass die Geschichten von meiner Adoptivmutter
nicht der Wahrheit entsprechen bin ich hellhörig geworden und fing nun an auch nach meiner leiblichen Mutter zu suchen.
Über das Amt bin ich diesmal nicht gegangen. Dieses Mal habe ich den Suchdienst aus reiner Neugier angefragt.
Man höre und staune. Innerhalb von 14 Tagen wurde die Adresse meiner Mutter ausfindig gemacht. 14 TAGE. Was war mit drei Monaten?
Ich schrieb also einen Brief an meine Mutter der dann weitergeleitet wurde. Das macht die Adoptionsstelle nicht.
Vielleicht sollte ich auch mit meinen Daten von meinem Bruder über den Suchdienst gehen?
Der Brief an meine Mutter wurde noch am gleichen Tag vom Suchdienst weitergeleitet. Nach drei Tagen habe ich beim Suchdienst
angerufen und nachgefragt, ob sie den Brief weitergeleitet haben. Ja, und er müsste nun auch da sein. Der Suchdienst hat
mir angeboten, bei meiner Mutter mal anzurufen und selber mal in Erfahrung zu bringen, ob der Brief denn angekommen sei.
Das taten sie auch. Der Brief ist angekommen, es ist meine leibliche Mutter und sie möchte keinen Kontakt, weil sie sonst
mächtigen Ärger bekommt. Der Schock saß tief, als mir der Suchdienst diese Nachricht an mich vermittelte.
Vielleicht war der Anruf doch zu voreilig? Es müssen ja tausend Gedanken durch ihren Kopf geschossen sein....
Leider muss ich mich damit abfinden. So schwer es auch ist. Es tut weh und ich kann nix dagegen tun.

Meine letzte Hoffnung ist nun bei meinem Bruder. Ich hoffe doch sehr, dass er auch Interesse hat, mich kennen zulernen.

Aus meinen Erfahrungen heraus kann ich Euch sagen, dass ich weiter kämpfe und nicht aufgeben werde.

In diesem Sinne

Eure Bianca

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Stand: 11.07.07