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Hallo
ihr,
Ich würde euch gerne mitteilen wie es bei mir ablief.
Vor ca 6 Monaten habe ich (26) erst erfahren, dass ich adoptiert wurde. Das war natürlich ein Schock für mich. Konnte aber relativ gut damit umgehen, da ich es schon geahnt hatte und meine Adoptiveltern direkt darauf ansprach.
Viel wurde mir nicht erzählt von damals, also wie das ganze abgelaufen ist. Mir war aber ziemlich schnell klar, dass ich alles wissen wollte. Ich habe mich dazu entschlossen erst mal heimlich zu suchen und meinen Adoptiveltern nix davon zu erzählen, da ich nicht wusste wie sie reagieren würden wenn sie wüssten dass ich mich auf die Suche begeben würde.
Als erstes wollte ich meine Adoptionsakte finden und Einsicht verlangen um zu erfahren warum ich adoptiert wurde. Dies war gar nicht so leicht, da ich jetzt erst mal in Erfahrung bringen musste in welchem Stadtteil ich adoptiert wurde (ich komme aus Berlin und da hat jeder Stadtteil sein eigenes zuständiges Jugendamt). Ich habe also in jedem Stadtteil das Jugendamt angeschrieben ob sie von mir Unterlagen hätten. Als Antwort bekam ich ständig zu hören, dass sie keine Akten von mir hätten. Es hat glaub ich 2 Monate gedauert bis ich endlich das zuständige Jugendamt und die Sachbearbeiterin gefunden habe.
In der Zwischenzeit hatte ich dann noch beim Standesamt meine Abstammungsurkunde beantragt damit ich den Namen meiner leibl. Mutter erfahren konnte. Diese Urkunde hatte ich auch innerhalb von 2 Wochen in den Händen. War schon echt komisch darauf zu lesen wer meine leibl. Mutter ist.
Das Jugendamt erzählte mir dann, dass ich kein Recht darauf habe in meine Akte einsehen zu dürfen solange ich nicht das Einverständnis meiner leiblichen Mutter und das meiner Adoptiveltern vorgelegt hätte. Warum bitte schön brauchte ich denn das Einverständnis meiner leibl. Mutter? Sie hatte mich vor 23 Jahren weggegeben und nun muss ich sie fragen ob ich in meine Akte reinschauen kann. Da war ich echt sauer. Ich dachte, das wenn ich über18 bin das ich jederzeit in meine Akte sehen darf.
Nun musste ich meinen (Adoptiv-) Eltern gegenüber mit offenen Karten spielen und ihnen beichten was ich schon alles in Bewegung gesetzt hatte um etwas zu erfahren. Schließlich brauchte ich ja ihr Einverständnis. Zu meiner Überraschung haben sie sofort zugesagt und waren auch überhaupt nicht enttäuscht das ich schon den Namen meiner leibl. Mutter weiß. Sie stehen voll hinter mir und unterstützen mich bei der Suche.
Nun fehlte mir aber immer noch das Einverständnis meiner leibl Mutter. Durch meinen alten Impfausweis konnte ich die Adresse ausfindig machen in der ich früher wohnte. Daraufhin habe ich beim Einwohnermeldeamt die Suche nach meiner leibl. Mutter in Auftrag gegeben.
Das hat dann so ungefähr 5 Wochen gedauert und ich hatte den jetzigen Namen und die Adresse von ihr in der Hand. Nun wollte ich den Kontakt zu ihr aufbauen wusste aber nicht wirklich wie. Also habe ich ihr einen Brief geschrieben, habe nur kurz meine Daten und wie ich sie gefunden habe reingeschrieben und habe ihr noch meine Handynummer und E-Mailadresse reingetan, für den Fall das sie sich mit mir in Verbindung setzen wollte.
Am nächsten Tag bin ich zu der Adresse gefahren und habe ihr den Brief in den Briefkasten gesteckt.
Sie hat sich auch prompt gemeldet und wir haben uns dann auch gleich getroffen. War schon merkwürdig ihr gegenüber zusitzen. Ich war ca 2 Stunden bei ihr und habe versucht ohne Vorwürfe und Forderungen ihr gegenüber zu treten. Aber das Treffen war irgendwie enttäuschend für mich. Ich hatte mich ja darauf eingestellt, dass sie nicht die Mutter ist die mich gesucht und vermisst hätte. Aber sie hat die ganze Zeit nur von sich geredet und dass sie doch gar nichts dafür konnte wie es damals abgelaufen ist. Sie hat alle Klischees rausgeholt die ich bisher gehört hatte, schlechte Heime, die Stasi hat mitgewirkt etc.
Zudem habe ich auch noch erfahren das ich eine Schwester und einen Halbbruder habe.
Wir hatten zwar noch etwas Kontakt per Mail aber letztendlich haben wir beide beschlossen keinen Kontakt zueinander zu haben. Ich habe kein gutes Gefühl und habe mich nicht wohlgefühlt. Zudem hatte ich es satt, dass sie ständig erzählt hat sie sei unschuldig und dass nichts dafür konnte. Denn das was ich bisher erfahren habe ergibt für mich schon eine logische Erklärung warum ich aus der Familie geholt wurde. Aber wahrscheinlich wollte meine leibl. Mutter das nicht einsehen.
Ich denke für mich war es gut sie einmal kennen zulernen und mir selbst ein Bild machen zu dürfen, aber ich bin auch sehr dankbar, das ich von meinen Adoptiveltern aus dem Heim geholt wurde und die Chance bekommen habe bei ihnen aufwachsen zu dürfen. Nun habe ich aber meine Wurzeln finden dürfen, und ich bereue nichts .
Nächste Woche darf ich dann endlich meine Adoptionsakte sehen.
Sie hat dann doch ihr Einverständnis gegeben.
Ist doch ziemlich lang geworden hätte ich nicht gedacht.
Liebe Grüße
Nadine
Ich habe ja jetzt in meine Akte schauen dürfen und war schon etwas entsetzt was da alles drin steht. Zumindest weiß ich jetzt den Grund warum ich rausgeholt wurde aus der Familie. Ist wahrscheinlich auch besser so gewesen, dass ich dort nicht aufwachsen musste. Ich habe dann meine leibl, Mutter auch damit konfrontiert mit dieser Wahrheit, und noch immer weißt sie die Schuld von sich und meint nix dafür zu können und das alles doch ganz anders gewesen ist.
Ich habe erneut versucht mit ihr den Kontakt aufzubauen, habe aber gemerkt das es nichts bringt, da meine leibl. Mutter nicht die Verantwortung tragen möchte (zumindest habe ich das Gefühl) für das was passiert ist. Sie ist Weltmeisterin wenn es darum geht mir die Worte im Mund umzudrehen und mich als die schlechte dastehen zu lassen. Sie will sich nicht mit dem Auseinandersetzen was passiert ist.
Soll sie machen aber nun werde ich keinen Kontakt mehr haben wollen zu ihr - die Enttäuschung ist doch zu groß. Gefreut habe ich mich darüber das sich meine "Grosse Schwester" bei mir gemeldet hat, mal schauen ob sich bei ihr der Kontakt intensiviert und wie sie so ist, was sie weiß etc.
Meine Adoptionsakte durfte ich kopieren kostenlos lassen, ich habe sie jetzt zu Hause und schon zig mal gelesen. Was blöd ist, ist das meine Akte nicht vollständig ist. Aus unerklärlichen Gründen fehlen ne Menge Seiten. Wie kann das sein?
Was ist eine Erziehungsakte? In meiner Adoptionsakte konnte ich lesen warum ich rausgeholt wurde .
Mich belastet die ganze Sache doch ziemlich, so wie sich meine leibl. Mutter verhält mir gegenüber, nun bin ich auf der suche nach einem Psychologen damit der vielleicht meine Gedanken sortieren kann. |
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